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Vogel der Region

Foto auf der Startseite von Tom Dove

Hier wird jeden Monat ein typischer Vogel der Region vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Vogelart, die für die Gegend typisch ist und in den jeweiligen Monaten in der Haseldorfer und Wedeler Marsch vorkommt und gut zu beobachten ist. Es müssen nicht immer bedrohte Vogelarten sein, die auf der Roten Liste stehen.

Vogel der Region im Mai 2019: Die Goldammer –
die goldköpfige Ammer mit dem einprägsamen
leicht melancholischen Gesang!

Frühlingsgefühle pur: Jetzt ist die Vogelbalz auf ihrem Höhepunkt und Vogeleltern haben alle Hände voll zu tun. Jetzt lohnt es sich richtig, raus in Natur zu gehen und zu schauen, was es in der Natur zu entdecken gibt. Der Wonnemonat Mai bietet die ganze Frühlingspalette: milderes Wetter, allenthalben Vogelgesang und Blüten. Vor allem aber sind unsere Singvögel jetzt kaum mehr zu halten. Selbst Nicht-Vogelkundlern fällt auf, dass die Vogelbalz ihren Höhepunkt erreicht. Während die einen singen, sitzen andere bereits auf den Eiern oder führen bereits Junge. Brüten stresst: die Vogeleltern haben jetzt alle Schnäbel voll zu tun. Unermüdlich werden Nester gebaut und hungrige Schnäbel gestopft.


Foto: Tom Dove

Die Goldammer (Emberiza citrinella), die volkstümlich auch Hämmerling, Emmerling, Ammeritz, Gelbling, Gilberitz genannt wird, mancherorts auch „Bauernkanari“ genannt, gehört wie die Feldlerche eigentlich zu den Kulturfolgern des Menschen, die aber in den letzten Jahren von der zunehmend intensiveren Landwirtschaft bedroht werden.
Sie ist eine von fünf Arten aus der Familie der Ammern, die in Deutschland brütet. Sie ist ein typischer Vogel offener Kulturlandschaften mit Feldgehölzen, Hecken und Büschen. In ländlicher Wohnlage und in der Feldflur am Ortsrand kann man Goldammern daher am ehesten begegnen. Ein Großteil der heimischen Goldammern überwintert auch bei uns, oft gesellig in Schwärmen.

Mit 16,5 cm ist die Goldammer etwas größer als ein Sperling, hat aber einen längeren Schwanz. Die Färbung ist variabel, wobei das Männchen überwiegend ein leuchtend gelbes Gefieder mit vielen braunen Streifen und Säumen trägt und das Weibchen insgesamt unscheinbarer erscheint. Ein besonderes Kennzeichen aller Goldammern ist der rostrote Bürzel.

Die Goldammer ist eine der wenigen Vogelarten, die fast den ganzen Tag über und auch bei großer Hitze singt. Von einem etwas erhöhten Platz im Revier, der Fachmann spricht von einer „Singwarte“, meist exponiert auf einer Baum- oder Buschspitze, zwitschert Herr Goldammer gerne und laut sein „zizizizizizizii-düh“, in der Hoffnung, dass er von einem Weibchen gehört wird. Oft ist er noch bis in den Spätsommer zu hören, während die Kollegen anderer Vogelarten zu diesem Zeitpunkt bereits längst die Lust am Singen, Revierverteidigen und Weibchen-Beindrucken verloren haben. Der Eselsbrücken textende Volksmund gibt hierzulande die Melodie des Goldammer-Gesangs oft als „wie, wie, wie hab ich Dich liieb“ wieder – auf den Britischen Inseln, auch dort gibt es Goldammern, etwas weniger gefühlvoll als „little bit of bread and no cheese!„.

Ab Mitte April beginnt für die Goldammer die Brutzeit. Sie führen eine monogame Saisonehe. Das Weibchen wählt den Nistplatz, in dem es sich einen vom Männchen angebotenen Neststandort aussucht. Es baut das recht einfache Nest allein, meist am Boden oder in bodennaher Vegetation in einem dichten Pflanzenbewuchs am Rand von Hecken, an Böschungen oder unter Büschen. Ihr Gelege besteht aus vier bis fünf weiß bis rötlichbraun gefärbten Eiern mit auffallenden, feinen Haarlinien. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen schnell selbständig. In der Regel erfolgen zwei Bruten im Jahr. Die erwachsenen Vögel ernähren sich hauptsächlich von feinen Sämereien (granivor). Die Nestlinge werden mit Insekten, Spinnentieren, Würmern oder Larven gefüttert.

Die Goldammer gehört zu den Arten mit den stärksten Bestandsrückgängen seit dem 19. Jahrhundert in Schleswig-Holstein. Heutzutage ist sie nur noch lokal ein häufiger Charaktervogel. Sie fehlt in weiten Teilen der Marsch mit Ausnahme der Elbmarschen. Als typischer „Feldvogel“ ist die Goldammer unmittelbar von den Bewirtschaftungsformen in der Kulturlandschaft abhängig. Vor allem Brachflächen und im Winter unbearbeitete Getreideäcker (Stoppelbrachen) werden von ihnen oft in kleineren Trupps gerne aufgesucht. Negative Beeinträchtigungen und Verluste an Brutmöglichkeiten gehen daher vor allem mit folgenden Faktoren einher: Intensivst bewirtschaftete Äcker, die weder Wildkräutern noch Insekten eine Chance lassen, führen zu Nahrungsmangel. Fehlende Kleinstrukturen in der Feldflur (Gebüsch, Hecken, Gräben) verhindern Nistplätze und die ebenso benötigten Singwarten. Waldränder, die ohne einen Gebüschsaum unmittelbar an Ackerflächen angrenzen, bieten Goldammern ebenfalls keine Brutmöglichkeiten mehr. Es gibt gute Beispiele, wie Goldammern z.B. durch Anpflanzungen von Hecken und die Gestaltung von Waldrändern geholfen werden kann. Solche Maßnahmen sind lokal durchaus sinnvoll, aber auf Dauer kann nur eine Ökologisierung der Landbewirtschaftung den Rückgang der Goldammer und anderer Feldvogelarten aufhalten.