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Sumpf-Blutauge? Kein Grund für einen Arztbesuch – Pflanze der Region im Juli 2024

Machen Sie sich keine Sorgen. Anders als der Name vermuten lässt, sind Sumpf-Blutaugen kein Grund, den Augenarzt aufzusuchen. Im Gegenteil, ist es sogar sehr erstrebenswert, Sumpf-Blutaugen zu haben! Und zwar aus drei Gründen: 

  1. Sumpf-Blutaugen kommen wirklich selten vor.
  2. Ihnen wird große Heilkraft nachgesagt.
  3. Sie sind schmückend und eine Bereicherung für die Artenvielfalt

Das Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris) ist eine wunderschön blühende Staude aus der Gattung der Fingerkräuter (Potentilla). Die Ableitung des botanischen Gattungsnamens Potentilla setzt sich zusammen aus dem lateinischen „potens“ (mächtig) und „illa“ (verringern, vermindern). Dies bezieht sich auf die mächtige Heilkraft der Pflanze. Der Artname palustris (lat. „im Sumpf wachsend“) verweist auf das Vorkommen an sumpfigen Orten.

Feuchtigkeitsliebend wächst das Sumpf-Blutauge als Flachwasserpflanze auf der gesamten Nordhalbkugel, kommt aber nur zerstreut im bedrohten Lebensraum Moor vor, vor allem in Nieder- und Übergangsmooren sowie überschwemmten Sumpfwiesen mit eher sauren Torf- und Schlammböden.

Sumpf-Blutaugen lieben als nicht sehr durchsetzungsstarke Pflanzen offene Bodenstellen, wo sie sich mit ihrem bis zu einem Meter langen Wurzelstock ohne Konkurrenzdruck auszubreiten können. Die Pflanzen wachsen auch in offene Gewässerflächen hinein. Dort bilden sie zusammen mit Seggen, Moosen und Fieberklee schwimmende Teppiche. Selbst wenn die schöne Blüte des Blutauges noch so lockt: diese Schwingrasen zu betreten ist gefährlich! Es sei denn, sie streben eine Karriere als Moorleiche an. In jedem Fall bekommen Sie mindestens nasse Füße. Im schlimmsten Fall führt der Trugschluss, einen begehbaren Untergrund vor sich zu haben, zu einem Tauchgang im Moor – Wiederkehr ungewiss!

Die 20-70 cm hohe Pflanze bildet ab Mai bis in den August hinein wunderschöne, 3-5 cm große, purpurfarbene Blüten. Durch die kreisrund angeordneten, besonders hervorstechenden, fast schwarzen Staubblätter wirkt die Blüte wie ein großes blutunterlaufenes Auge.

 

Die im Volksmund ebenfalls geläufigen Namen Wasserfünfblatt, Teufelsauge, Blutaugenkraut, Blutstropfen, Siebenfingerkraut oder Blutfingerkraut deuten somit sowohl auf die Gefährlichkeit des Lebensraumes Moor als auch auf die Wuchsform und Farbe des seltenen Sumpfblutauges hin. Um das Verwirrspiel der Namensgebung vollständig zu machen, hat das Sumpfblutauge auch seinen wissenschaftlichen Namen zu Comarum palustre geändert!

Das Sumpf-Blutauge verbreitet sich gerne über Wurzelausläufer sowie die klebrigen Samennüsschen, die sich sowohl schwimmend (12 Monate keimfähig) als auch am Gefieder von Wasservögeln klebend verbreiten. 

Unsere Pflanze der Region ist als gefährdete Art in der Roten Liste des Landes Schleswig-Holstein aufgeführt. In unserer Region gibt es ältere Nachweise aus dem Tävsmoor in Appen und in einem moorigen Graben in der Nähe der Kläranlage in Hetlingen.

Als traditionelles Heilkraut wird es vor allem noch im baltischen Raum angewendet. Es bereichert Kräuter- und Teemischungen. Auch als Zusatzstoff in Heilsalben gegen Arthritis und Rheuma findet es Verwendung. Die Pflanze wurde früher auch zum Gerben von Leder und Rotfärben von Stoffen benutzt.

 

Marion Thishen-Hendess i.A. des LfU und Edelgard Heim

 

Zum Hintergrund: Die Integrierte Station Unterelbe (ISU) in Haseldorf, auch „Elbmarschenhaus“ genannt, wurde 2006 eröffnet. Der Geist des Hauses besteht in der Zusammenarbeit von Naturschutz, Tourismus und Landnutzung. Im Haus vertreten sind das Land Schleswig-Holstein, der NABU Schleswig-Holstein e.V., Tourismus-Vereine sowie die örtliche Jägerschaft. Die Integrierte Station Unterelbe kümmert sich in Zusammenarbeit mit den Kreisen um diverse (Natur-)Schutzgebiete entlang der Elbe in Schleswig-Holstein bis Neufeld. Über die naturräumlichen Besonderheiten und historische Nutzungsformen an der Unterelbe informiert eine Ausstellung im Elbmarschenhaus. Das Elbmarschenhaus erfährt Unterstützung durch die Region – unter anderem, da die charakteristische Natur- und Kulturausstattung Grundlage einer schonenden touristischen Nutzung und Stärkung der regionalen Wirtschaft ist.

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.elbmarschenhaus.de

Verantwortlich für diesen Pressetext:

Edelgard Heim, Landesamt für Umwelt des Landes Schleswig-Holstein (LfU), Integrierte Station Unterelbe im Elbmarschenhaus, Hauptstr. 26, 25489 Haseldorf; Tel. 0 41 29 / 95 54 912; Email: edelgard.heim@lfu.landsh.de; Internet: www.elbmarschenhaus.de

Das Sumpfblutauge (Quelle: Adobestock)