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Pflanze der Region im November 2019

Im Wald geliebt und auf der Heide bekämpft – die Sandbirke (Betula pendula ) ist die Pflanze der Region im November 2019

Im Winter, nach dem Blattfall, sind viele Baumarten nur noch schwer korrekt anzusprechen. Eine Ausnahme macht die Birke, die mit ihrer weißen Rinde vielen Menschen bekannt ist. Einer ihrer Namen ist daher auch „Weißbirke“. In den dunklen, meist auch nassen Monaten, bringt sie Licht und ein wenig Leichtigkeit in das Leben.

Die weiße Rinde hat jedoch keinen romantischen Hintergrund, sondern dient dazu, Zellschäden durch zu starke Sonneneinstrahlung abzuwenden. Betulin heißt die Substanz, die die Farbe und den Schutz verursacht.

Die Sandbirke ist sehr häufig und in fast ganz Europa weit verbreitet. Der Baum kann bis zu 30 m hoch werden. Der Baum ist einhäusig und trägt an einer Pflanze weibliche und männliche Kätzchenblüten. Die Birke blüht früh im Jahr und gilt daher als Frühlingsbote. Die Befruchtung erfolgt durch den Wind, wie viele Allergiker leidvoll bestätigen können.

Als Pionierbaumart ist die Sandbirke anspruchslos und besiedelt unterschiedliche Standorte schnell und effektiv. Ihre Samen werden mit dem Wind in großer Zahl verbreitet und keimen im nächsten Frühjahr.

Schon Wilhelm Busch bedachte die Birke in seinem gleichnamigen Gedicht mit folgenden Zeilen:

„Es wächst wohl auf der Heide
und in des Waldes Raum
ein Baum zu Nutz und Freude
genannt der Birkenbaum“

„Wie Haare auf dem Hund“ seufzen wir Naturschützer angesichts mit jungen Birken übersäten und zuwachsenden Heiden und Trockenrasen. Die Freude, die Wilhelm Busch beschreibt, wird also nicht von allen gleichermaßen geteilt. Wir haben nichts gegen Birken, allerdings nicht flächendeckend auf wertvollen Offenbereichen. Um auch den seltenen Arten der Offenlandbiotope eine Überlebens-Chance zu geben, die durch einen geschlossenen Birkenwald verdrängt würden, werden Birken auf diesen Standorten aktiv als Pflegemaßnahme entfernt. Dabei kommen sowohl Schafe und Ziegen, als auch Astscheren und Motorsägen zum Einsatz.

So haben wir in den Holmer Sandbergen, einem großen wertvollen Binnendünengebiet in der Gemeinde Holm im Kreis Pinneberg, am 1. September den Wettbewerb „Holm gegen den Rest der Welt“ gestartet und viele Birken abgesägt, herausgezogen und ausgegraben.

Foto Petra Harms

Wer letztlich gewonnen hat – fragen Sie sich? Bis mittags zeigten sich die Holmerinnen und Holmer sehr zurückhaltend, holten dann aber rasch auf. Am Ende des Tages bestand Gleichstand zwischen den Parteien. Ob es daran lag, dass einige Menschen beide Holzhaufen bestückt haben? Auf jeden Fall hat die Natur gewonnen und die Aktion einen guten Beitrag zur Offenhaltung der Binnendüne geleistet.

Die Birke wird für den Möbel- und Innenausbau, zur Herstellung von Span-, Sperrholz und Zellstoff genutzt. Auch als Brennholz ist die Birke beliebt. In der Pflanzenheilkunde werden Bestandteile der Birke gegen Hautkrankheiten, Entzündungen, zur Blutreinigung und sogar gegen Tumore eingesetzt.

Früher wurden auch Reisigbesen aus ihren Zweigen hergestellt. Weitere Verwendungen beschreibt Wilhelm Busch, der nun noch einmal zu Wort kommen soll, denn besser kann man es nicht sagen:

„Man zapfet aus der Birke

sehr angenehmen Wein

man reibt sich, dass es wirke,

die Glatze damit ein.“