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Masken im Pflanzenreich – die Pflanzen der Region im November tragen maskierte Blüten

„Ach, Sie sind das!“, hört man immer häufiger in Zeiten der Maskenpflicht. Besonders wenn die Mund-Nasen-Bedeckung, wie sie korrekt heißt, sehr fantasievoll gestaltet ist. Da grinst schon mal ein aufgedruckter Mund oder eine tierische Schnauze sorgt für Verfremdung.

Wussten Sie schon, dass es auch maskierte Pflanzen gibt?

Hinter dieser Schöpfung der Natur steckt kein Schutzgedanke vor einem Virus. Pflanzen, die sich dieser Taktik bedienen, schaffen einen Erlebnisparcours für ihre Bestäuber. Bienen und andere Insekten sollen sich ordentlich anstrengen, bevor sie an den begehrten Nektar und Pollen gelangen, den sie als Dank für die Bestäubung der Blüten erhalten. Meist ist der Zugang durch vorgestülpte Blütenteile verschlossen. Diese „Maskierung“ genannten Auswüchse muss ein Insekt erst einmal wegdrücken. Eine kleine zarte Wildbiene braucht ihr Glück erst gar nicht zu versuchen. Ihre starken Schwestern wie Hummel oder größere Wildbienen haben da schon bessere Karten.

In unserer Region zählen zu den Pflanzen mit maskierten Blüten z.B. das Gewöhnliche Leinkraut (Linaria vulgaris) und das Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), das anmutig in Mauerspalten wächst. Letztere ist keine einheimische Pflanze, sondern wurde vermutlich im 16. Jahrhundert eingeführt. Das Leinkraut kommt hingegen häufig an Wegrändern vor.

Wieso tun die Blüten das, wenn sie die überlebensnotwendige Bestäubung ihrer Blüten doch auch leichter haben könnten?

Ehrlich gesagt, weiß die Wissenschaft das nicht so genau. Möglicherweise soll verhindert werden, dass sich Hinz und Kunz bedienen, ohne dass sie für die Bestäubung gut geeignet sind. Kommen nur kräftige Insekten zum Zug, ist auch die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie weit fliegen und viele andere Exemplare der Art besuchen. Das verspricht einen guten Genaustausch. Oder möchten die maskierten Blüten den Insekten einen Abenteuerspielplatz bieten?

Eine echte, verändernde Maske ist eine maskierte Blüte natürlich gar nicht. Aber auch das gibt es im Pflanzenreich. Sehen wir uns z.B. die Fliegen-Ragwurz an, die in unserer Region allerdings nicht vorkommt. Diese Orchideen-Art täuscht mit der Gestaltung ihrer Blüten eine Wespe vor. So sollen Grabwespen angezogen werden, die dann die Blüte bestäuben.

Da trage ich doch lieber die Maske mit den aufgedruckten Schoko-Riegeln. Vielleicht hat das ja einen ähnlichen Effekt!

Edelgard Heim