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Liebt kalte Füße – die Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum) ist die Pflanze der Region im Juni 2020

Die Pflanze des Monats in der Haseldorfer Marsch
Blütenstand der Gelben Wiesenraute (Foto: Arche Gärtnerei)

Sehr gerne gehe ich morgens in den Garten, betrachte die Blumentöpfe, in denen ich Saatgut ausgebracht habe und freue mich über jedes grüne Keimblättchen. Und jedes Mal bleibt mein Blick an den beiden leeren Töpfen hängen. Dabei habe ich doch genau nach Anweisung gehandelt, habe das feine Saatgut vorsichtig aus der Tüte auf die (torffreie) Anzuchterde geschüttelt und das Ganze mit Sand abgedeckt. Den Sand musste ich sogar vom Spielplatz um die Ecke… ach, ist ja egal, war sowieso wegen Corona geschlossen.

 

Und nun warte ich auf die Gelbe Wiesenraute. Diese Pflanze gehört zur vielgestaltigen Familie der Hahnenfußgewächse. Auf den ersten Blick hat sie nicht viel mit den Hahnfüßen wie z.B. dem bekannten Kriechenden Hahnenfuß gemeinsam. Nur die lappig-fiedrigen Blätter der Gelben Wiesenraute verraten, dass sie ein Mitglied derselben Pflanzenfamilie ist.

 

Es ist immer noch nichts zu sehen. Dabei kann die prachtvolle Gelbe Wiesenraute über 1 m hoch werden. Die Üppigkeit des Blütenstandes wird nicht durch farbige Blütenblätter, sondern durch filigrane gelbe Staubblätter erzeugt, die in der Sonne flirren und leuchten. Dieser spektakuläre Auftritt hat ihr die liebevolle Bezeichnung „Tänzerin im Grünen“ eingebracht. Auch an den nötigen Kältereiz, den die Samen zum Keimen brauchen, hatte ich gedacht. Die kalten Nächte mit Bodenfrösten kamen mir dabei sehr gelegen. Anderenfalls hätte die Saatguttüte einige Wochen in den Kühlschrank gemusst.

 

Liebe Wiesenraute, nun keime doch endlich. Das Ufer des Gartenteiches wartet schon auf dich. Unsere Pflanze der Region im Juni liebt nämlich feuchte Standorte wie Feuchtwiesen an Flussufern, Erlenbrüchen und Weidensümpfen. Ein Graben oder Teich tut es aber auch. Die natürlichen Vorkommen der Gelben Wiesenraute sind stark zurückgegangen. Flüsse wurden ausgebaut, feuchte Flächen entwässert. Daher findet sich die Wiesenraute mittlerweile als stark gefährdet auf der Roten Liste des Landes Schleswig-Holstein.

 

Auch die Insekten würden sich freuen, wenn du nun endlich aus dem Samen kommen und rasch wachsen würdest. Die Wiesenraute bietet nämlich vielen Insekten riesige Mengen Pollen. Als dauerhafte Wildstaude tut sie dies sogar jedes Jahr. Natürlich nur, wenn sie jemals die Blumenerde verlässt.

 

Falls Sie auch an der landesweiten Geduldsprobe, der ich mich gerade unterziehe, teilnehmen möchten, habe ich einen Vorschlag für Sie:

Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), zu dem ich gehöre, hat gemeinsam mit der Stiftung Naturschutz SH in diesem Jahr wieder eine kostenlose Saatgrußkarte mit Samen einer heimischen Pflanze herausgegeben. Das beliebte Artenschutzprojekt widmet sich in 2020 der Gelben Wiesenraute. Bürgerinnen und Bürger können bei einer Mitmachaktion zu Hause im Garten Gutes tun und zum Erhalt der heimischen Pflanzenvielfalt beitragen! Bestellen können Sie die Saatgutkarten mit einer kleinen Tüte Saat, Informationen und Pflanzanleitung bei:

LLUR SH

z.H. ÖA 6

Hamburger Chaussee 25

24220 Flintbek

Tel. 0 43 47 / 704-230 oder per E-Mail über broschueren@llur.landsh.de

 

Edelgard Heim