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Bitte recht freundlich – das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist die Pflanze der Region im August 2022

Gegen schlechte Laune ist ein Kraut gewachsen – das Echte Johanniskraut. Die gelb blühende Pflanze gehört zur Pflanzenfamilie der Johanniskrautgewächse. Hält man die grünen Laubblätter gegen das Licht, sehen sie wie durchlöchert aus. Daher rührt auch ein weiterer Name der Pflanze: das Tüpfel-Johanniskraut. Diese „Löcher“ sind Öldrüsen, die ein orange gefärbtes, herb duftendes Öl enthalten.

Das Echte Johanniskraut ist als Heilpflanze bekannt. Seine Inhaltsstoffe wirken gemütsaufhellend und gegen Depressionen. Der Name Johanniskraut rührt daher, weil es laut Lehrbuch um den 24. Juni, dem Johannitag, blüht. Dies mag für den Süden Deutschlands gelten. Bei uns im Norden geht es erst jetzt richtig los. Die Pflanze ist einheimisch und in ganz Deutschland häufig. Das Johanniskraut bevorzugt nährstoffarme, eher trockene Standorte und findet sich zum Beispiel an Wegrändern, wo es bis in den August hinein seine buschig verzweigten Blütenstände zeigt. Das Echte Johanneskraut ist eine ausdauernde Staude, das heißt, dass die Pflanze jedes Jahr wieder austreibt, wenn ihr der Standort gefällt. Neben den Wegrändern sind auch Magerwiesen und Heideflächen bevorzugte Standorte.

Die gelben Blüten haben fünf Blütenblätter und viele auffällige Staubblätter. Beim Zerreiben der Blüten – wie auch der grünen Blätter – färben sich die Finger rot. Dies wurde früher als „das Blut des heiligen Johannes“ gedeutet. Man kann leicht nachvollziehen, dass eine Pflanze, die „blutet“, in früheren Zeiten Anlass gab als Zauberkraut eingestuft zu werden. Bereits im 14. Jahrhundert war das Johanniskraut bekannt. Es musste am Johannistag geerntet werden und entfaltete dann seine ganze antidämonische Kraft. Es sollte dem Teufel sowie allen Mächten der Finsternis zuwider sein. Auch als Liebeszauber wurde das Kraut eingesetzt.

Die Früchte sind oval-rundlich. Zuerst grün, färben sich später dunkelrot und bilden so auch im Garten einen schönen Hingucker. Die Blüten bieten vielen Insekten, vor allem Hummeln, Bienen und Schwebfliegen Nahrung. Viele Schmetterlings-Raupen fressen das Johanniskraut, manche sogar nichts Anderes. Zur Ölgewinnung wird die ganze Pflanze ausgepresst. Das orangerote Öl ist antibiotisch und wird gegen trockene Haut und kleine Verletzungen eingesetzt. Es wirkt zudem leicht betäubend. Betäubt wird auf Dauer auch der seelische Schmerz.

Vielfältige Präparate versprechen bei längerer Einnahme eine Verbesserung bei Depressionen. Es empfiehlt sich, auf diese Präparate zurück zu greifen und nicht auf eigene Faust die Pflanzen einzunehmen.

Eine wunderbare Eigenschaft der Pflanze haben wir noch nicht besprochen: Nacktschnecken mögen es nicht. Und das führt bei mir bei einem Rundgang durch meinen Garten zu einer sehr deutlichen Stimmungsaufhellung!

Edelgard Heim