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Baum des Jahres – die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist die Pflanze der Region im November 2022

Jedes Jahr wählt die Dr. Silvius Wodarz Stiftung einen Baum des Jahres aus. In 2022 fiel die Wahl auf einen eleganten Vertreter. Gemeint ist die Gewöhnliche Rotbuche (Fagus sylvatica), eine einheimische Baumart.

Oft wird sie verwechselt mit einer Zuchtform, der Blutbuche, die im Gegensatz zur Rotbuche tief dunkelrot gefärbte Blätter hat. Die Blutbuche wird gerne als Zierbaum in Parks und auf Friedhöfen gepflanzt. Ein besonders schönes Exemplar steht in Uetersen an der Kreuzung der Straßen „An der Klosterkoppel“/ „Großer Wulfhagen“. Sie ist bei Google Maps ganz zu Recht als Besonderheit mit der Bezeichnung „Uetersener Blutbuche“ ausgewiesen.

Die Rotbuche ist zwar in Schleswig-Holstein verbreitet, aber in der Marsch fühlt sie sich nicht so wohl. Im Osten unseres Bundeslandes gefällt es ihr besser. Grundsätzlich hat die Buche ein weites Verbreitungsareal. Es darf nur nicht zu kalt, nicht zu nass und nicht zu trocken werden.

Fagus sylvatica ist eine echte Europäerin. Ausgedehnte Buchenwälder gibt es weltweit nur in Europa. Daher hat die UNESCO in Europa 94 Buchenwälder zum Weltnaturerbe erklärt. Im Jahr 2011 war auch Deutschland an der Reihe: 5 Gebiete erhielten den Status Weltnaturerbe und sorgten für Freudentaumel in der Naturschutz-Szene. Schleswig-Holstein als waldärmstes Bundesland war – nicht überraschend – nicht dabei.

Die Rotbuche ist die häufigste Laubbaumart in Deutschlands Wäldern. Und das obwohl die Aufforstungsprogramme lange Zeit die Fichte und die Kiefer bevorzugten. Im Wald wächst die Buche schlank empor. Außerhalb des Waldes geht sie gerne in die Breite und erreicht beeindruckende Ausmaße. Die Buche kann bis zu 45 m Höhe und ein Alter von 300 bis 350 Jahren erreichen. Die älteste Buche soll es in Österreich auf 550 Jahre gebracht haben.

Ihre glatte, graue Rinde und das namensgebende rötlich gefärbte Holz sind genauso charakteristisch wie die Blätter, die bei Blattaustrieb im April fröhlich und optimistisch hellgrün auf den Frühling einstimmen.

Die eher unscheinbaren weiblichen und männlichen Blüten befinden sich an einem Baum. Bekannter sind die Nussfrüchte, die sogenannten Bucheckern. Sie dienen vielen Tieren als Futter oder den Menschen als herbstliche Dekoartikel.

Die Rotbuche sorgt für sich und ihren Nachwuchs, indem sie den Boden unter ihrem Blätterdach so stark beschattet, dass andere Bäume und Sträucher nicht genug Licht erhalten. Dadurch entstehen nahezu reine Buchenwälder, in denen andere Gehölzarten wenig Chancen haben. Der Jungbuchennachwuchs hingegen ist extrem schattentolerant. So bildet die Buche ihr „Schattenreich“.

Will man auch andere Bäume im Wald, muss man diesen den Zugang zum Licht gewähren und bedrängende Buchen entfernen. Im Kummerfelder Gehege bei Kummerfeld werden Eichen freigestellt, denn hier wurden viele seltene Käferarten entdeckt, die an Eichen gebunden sind. Wer also beeindruckende Buchen und Eichen sehen möchte, sollte einen Spaziergang im Kummerfelder Gehege unternehmen.

 

Der Klimawandel mit seinen trockenen Sommern setzt der Rotbuche sehr zu.

Es wird vermutet, dass der Klimawandel, gepaart mit hohen Stickstoffeinträgen, zu sogenannten „Mastjahren“ führt. Dies sind Jahre, in denen die Buche sehr große Mengen an Bucheckern produziert, um die Nachkommenschaft zu sichern. Dennoch hat sie im Vergleich

 

mit anderen Baumarten die geringste Absterberate bei Trockenheit. Vor allem die Fichte hat es „erwischt“.

Buchenholz wird für den Möbelbau, für Fußböden, aber auch als begehrtes Brennholz eingesetzt. Nicht belegt ist, dass die Wikinger ihre Schriftzeichen auf Buchenholz gesetzt haben und daher das Wort „Buchstabe“ kommen soll. Das ist trotzdem eine schöne Geschichte.

Sehr hoch ist die Biodiversität in alten Buchenwäldern, die viel Totholz enthalten. Insekten, Pilze aber auch die typische niedrige Bodenvegetation fühlen sich hier wohl.

Die Buche verhält sich gelegentlich auch gar nicht lehrbuchmäßig. Im Nationalpark Kellerwald in Hessen, einem der UNESCO-Naturerbe-Wälder, gibt es Buchen, die auf den ersten Blick wie Eichen aussehen. Klein und verhutzelt klammern sie sich an steinige, heiße Hänge. Das könnte ein Hoffnungszeichen sein, dass unsere einheimische Buche auch dem Klimawandel mehr entgegenzusetzen hat, als wir bisher glauben.

Wer mehr über die Königin des Schattenreiches, die Rotbuche, erfahren möchte, findet auf der Internetseite der Dr. Silvius Wodarz Stiftung viele spannende Informationen: https://baum-des-jahres.de

 

Gez. Edelgard Heim