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Alles andere als flatterhaft – die Flatterulme ist die Pflanze der Region im Oktober 2020

Die Pflanze des Monats Oktober ist in Hartholzauen zu finden. Bei uns an der Elbe dominieren die Weichholzauen, die überwiegend durch verschiedene „weiche“ Baumarten, vor allem durch Weiden geprägt sind. Aber auch Ulmen kommen als beeindruckende Einzelbäume bei uns vor. Zu erkennen sind die Ulmenarten alle an dem schrägen, asymmetrischen Blattansatz. Bei uns in Schleswig -Holstein, wie in ganz Mitteleuropa, gibt es drei einheimische Ulmenarten: die Feldulme, die Bergulme und die Flatterulme (Ulmus laevis). Um Letztere soll es heute gehen.

 

Zu ihrem Namen kam die Flatterulme durch ihre langgestielten Blütenstände, die im Wind tanzen und flattern. Flatterhaft im übertragenen Sinnen ist unsere Pflanze der Region nämlich ganz und gar nicht. Die ältesten Exemplare in Deutschland sind 400 bis 500 Jahre alt. Wer hält es schon so lange an einem Ort aus? Beständigkeit verleihen ihr die Brettwurzeln, die an der Stammbasis dem Baum sicheren Halt verleihen. Die Bodenwurzeln sind nämlich an feuchte Verhältnisse angepasst und dringen nicht so tief in den wassergesättigten Boden ein. Da braucht es Halt! Die Flatterulme ist ein Gewächs, das Überschwemmungen bis zu 100 Tagen aushalten kann.

 

Die Flatterulme wird bis zu 35 m hoch. Blüten und Früchte sind in lang gestielten Büscheln hängend angeordnet. Die Früchte haben einen breiten häutigen Rand, der bei der Verbreitung durch den Wind äußerst hilfreich ist.

 

Im letzten Jahrhundert hat ein Pilz für das Absterben sehr vieler Ulmen gesorgt. Betroffen waren und sind vor allem die Schwestern der Flatterulme, die Feld- und die Bergulme. Die Flatterulme wird seltener befallen. Sie wird von den Käfern, die den Pilz übertragen, seltener angeflogen und soll auch – falls sie doch einmal erkrankt – ein halbwegs funktionierendes Abwehrsystem haben.

 

Leider hat das Ulmensterben auch dazu geführt, dass Ulmen nicht mehr angepflanzt wurden. So hat sich der Schwund der Ulmen in unserer Umgebung noch verstärkt. Die Flatterulme könnte eine gute Alternative sein – sogar als Stadtbaum in Parkanlagen. In Schleswig-Holstein steht sie als „gefährdet“ auf der Roten Liste, kann also ein wenig Förderung gebrauchen.

 

Das Holz der Flatterulme ist weniger beliebt als das der anderen Ulmenarten, da es leichter reißt und sehr zäh ist. Das war allerdings für bestimmte Nutzungen wie Jagdbögen schon in der Steinzeit ideal.

 

Eine düstere Bedeutung hat die Ulme, vermutlich alle drei Arten, in der Mythologie. Sie war ein Abbild des Todes und der Trauer und wurde häufig in Totenhaine gepflanzt. Ulmen waren dem Gott der Träume, Morpheus, gewidmet.

 

Bevor uns die Melancholie erfasst, flattern wir doch lieber weiter und schauen dem Tanz der Ulmenblätter in den ersten Herbststürmen zu.

 

Edelgard Heim