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Flusskreuzfahrt durch die Republik – das Drüsige Springkraut ist die Pflanze der Region im September 2020

Die Pflanze des Monats in der Haseldorfer Marsch
Das Drüsige Springkraut ( Foto: LLUR, Heim)

Kennen Sie die Fabel von den Waldtieren, die gehört haben, dass der Bär eine Todesliste führt und in der jede Nacht ein Tier verschwindet und tot aufgefunden wird? Angst und Schrecken regiert seitdem den Wald und seine Bewohner.

Wer möchte schon gerne auf einer Todes-Liste stehen? Unsere Pflanze der Region für September 2020 hat einen solchen Platz auf der sogenannten „Unionsliste“, einer Zusammenstellung aller invasiver, nichteinheimischer Arten in der EU, die bekämpft und an der weiteren Ausbreitung gehindert werden sollen. Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) ist ein Einwanderer aus dem Himalaya, der Mitte des 19ten Jahrhunderts als Zier- und Gartenpflanze in Deutschland verbreitet wurde.

2016 konnte das Drüsige Springkraut der EU-Liste über invasive gebietsfremde Arten noch entgehen, aber 2017 fand sich bei der ersten Erweiterung auch sein Name auf dieser Liste. Dies hat zur Folge, dass die Mitgliedstaaten Managementmaßnahmen zur Bekämpfung entwickeln und umsetzen müssen. Für die Arten der Unionsliste gelten u.a. umfassende Handels-, Transport- und Besitzverbote und Abweichungen von den Verboten können nur in Einzelfällen genehmigt werden. Weiterhin gilt eine Verpflichtung, Arten in der frühen Phase ihrer Invasion umgehend an die EU zu melden und aus der Natur zu entfernen (mehr zum Thema findet sich hier: https://neobiota.bfn.de).

Impatiens glandulifera breitet sich entlang der Fließgewässer und Gräben aus. In südlichen Bundesländern kommt es bereits flächendeckend an Gewässern vor. Wunderschön anzusehen ist das Springkraut mit seinen großen pinkfarbenen Blüten. Auch für Insekten ist die Art Augenweide und Gaumenschmaus. Leider hat das Drüsige Springkraut die unangenehme Eigenschaft, unsere einheimischen Arten zu verdrängen. Sogar die konkurrenzstarke Brennnessel bleibt auf der Strecke. Da wir viele Insekten haben, die auf einheimische Pflanzenarten spezialisiert sind, führt die Verdrängung dieser Pflanzen auch zum Aussterben der an sie gebundenen Insekten. Darüber kann das Nektar- und Pollenangebot des Drüsigen Springkrauts nicht hinwegtäuschen. Typisch für unsere Pflanze der Region im September sind die Springfrüchte, die der Art ihren Namen gaben. Sie kennen sicher die einheimische Springkraut-Art, das Große Springkraut oder „Rühr-mich-nicht an“ (Impatiens noli-tangere). Sind die Früchte reif, reicht eine leichte Berührung, um die Früchte zum Aufplatzen zu bringen. Die Samen werden durch diesen Mechanismus explosionsartig in alle Richtungen verteilt. Dabei werden Distanzen bis zu 7 m um die Mutterpflanze herum zurückgelegt und mit Samen beimpft. Meist gelangen die Früchte dadurch auch in das angrenzende Fließgewässer und die Flusskreuzfahrt quer durch das Land geht weiter.

Übrigens geht die Fabel über die Waldtiere und den mordenden Bären so aus, dass das Kaninchen, das auch auf der Todesliste steht, mutig den Bären anspricht und ihn fragt, ob es nicht von der Liste gestrichen werden könne. „Klar“, sagt der Bär und das Kaninchen ist gerettet!

Soviel Glück wird das Drüsige Springkraut nicht haben. Die EU wird diese Pflanze nicht von der Unionsliste streichen. Und das ist gut so! Daher machen wir weiter mit dem Bekämpfen der invasiven Art durch Ausreißen kleiner Bestände und Schneiden größerer Ansammlungen. Wichtig ist natürlich, dabei die natürliche Vegetation zu schonen und Störungen von empfindlichen Tierarten zu vermeiden.

Hoffen wir, dass wir dadurch zukünftig weiterhin einheimische Arten an unseren Gewässern sehen, wie z.B. das Zottige Weidenröschen (Epilobium hirsutum). Das steht nämlich auf meiner Liste, der Liste der Pflanzen, die ich Ihnen im Rahmen der Serie „Pflanze der Region“ noch vorstellen möchte.

Edelgard Heim