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Immer mit der Ruhe – der Große Baldrian ist die Pflanze der Region im Juni 2021

Jetzt, im frühen Sommer, treiben überall in den Auwäldern der Elbmarschen saftig grüne, gefiederte Blätter des Großen Baldrians (Valeriana officinalis) aus der Erde. Man sieht schon, dass die Pflanze Großes vorhat. Einen und mehr Meter Höhe wird sie erreichen. Damit macht sie ihrem Namen alle Ehre. Ihr wissenschaftlicher Name „Valeriana“ kommt vom lateinischen „valens“ und dies heißt „kräftig“.

Der Große Baldrian verträgt Überschwemmungen und ist so auf das Leben entlang von Gewässerläufen wie der Elbe bestens vorbereitet. Seine Blütenstände bestehen aus rosa-weißen kleinen Blüten, die von Mai bis Juni zu sehen sind. Die Pflanze gehört zur Familie der Geißblattgewächse. Ob er auch von Geißen, also Ziegen gefressen wird, ist jedoch nicht bekannt. Valeriana ist ausdauernd und bildet Ausläufer, mit denen sie Tochterpflanzen gründet. Die Samen werden mit Hilfe kleiner Schirmchen über die Luft und natürlich schwimmend über die Gewässerläufe verbreitet.


Besonders bekannt ist der Baldrian für seine beruhigende Wirkung bei Unruhezuständen und Schlafstörungen. Die Baldrianwurzel wird aber auch eingesetzt in Gebäck und Speiseeis.

Sein für unsere Nasen eher unangenehmer Geruch zieht Katzen magisch an. Vor allem Kater sollen darauf reagieren, da angeblich läufige Katzen ähnlich riechen.

In historischen Zeiten glaubte man, dass der Geruch des Baldrians Hexen und Teufel abhalten würde, wenn man die Pflanze über die Eingangstür hängt. Außer einer beruhigenden Wirkung wurde dem Baldrian jedoch auch nachgesagt, dass er Zorn erregend wirke. Ob die Geschichte stimmt, dass Scharfrichter mit zu weichem Herz Baldrian einnahmen, damit sie beherzt zuschlagen konnten, lässt sich heutzutage nicht mehr nachprüfen.

Der Große Baldrian hat nur zwittrige Blüten, also solche mit weiblichen und männlichen Anteilen.

Sein Verwandter, der Kleine Baldrian (Valeriana dioica) zeichnet sich durch ausschließlich weibliche, ausschließlich männliche sowie zweigeschlechtliche Blüten aus. Die weiblichen Blüten sind ca. 1,5 mm groß und weißlich, die männlichen Blüten sind mit 3 mm größer und rosa gefärbt.

Beide Arten sind weit in Deutschland verbreitet, der Kleine Baldrian ist jedoch deutlich seltener und in Schleswig-Holstein auf der Roten Liste als stark gefährdet (Kategorie 2) eingestuft.

Mit der geballten Ruhe stiftenden Kraft der Baldrianpflanze könnten wir uns also in den Dauer-Lockdown versetzen. Aber wer will das schon? Daher geht es im Juli weiter mit einer Pflanze mit dem lebenslustigen Namen Mädesüß.


Edelgard Heim