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Pflanze der Region
im März 2019

Liebt den großen Auftritt –
Das Schilfrohr ist die Pflanze der Region im März 2019

Das Schilfrohr, Phragmites australis, auch kurz „Schilf“ genannt, ist ein schönes Beispiel dafür, dass man in der Gruppe deutlich mehr erreicht als alleine. Über eine einzelne Schilf-Pflanze kann man sagen, dass es sich um eine weltweit verbreitete, häufige Art handelt, die unter anderem typisch für das Elbufer und die Gräben in der Marsch ist.

Doch ist es ein Schilf-Bestand, ist dieser ein durch das Landesnaturschutzgesetz geschützter Biotop. Zudem kann ein Schilfbestand Großes bewirken, z.B. als wichtiger Bestand einer Pflanzenkläranlage Wasser reinigen, Ufer befestigen, das Material für ein Reet-Dach zur Verfügung stellen und Lebensraum für im Schilf brütende Vögel bieten. Schilf schafft – über lange Zeiträume betrachtet – sogar die Verlandung ganzer Seen. Weniger erfreulich ist, dass Schilf in großen Mengen erhebliche Kosten beim Küstenschutz verursacht, da es den Hauptbestandteil des Treibsels bildet. Es ist einleuchtend, dass ein einzelner Halm bei den genannten Beispielen wenig ausrichten könnte. Allenfalls in der Antike konnte ein einzelner Schilfstängel als Schreibrohr zu Ruhm gelangen. Sehr lange Zeit in der Geschichte der Menschheit war dies das wichtigste Schreibgerät. 

Die bis zu 4 m hohe Schilfpflanze gehört zu den Süßgräsern und ist eine häufige Uferpflanze der Elbe. Sie vermeidet die Zone mit starkem Wellenschlag, denn dort würde sie abknicken und zugrunde gehen. Die „Kampfzone“ mit hoher Dynamik überlässt sie verschiedenen Binsen- und Simsenarten. 

Wer jetzt an den Strand in Hetlingen geht, der für Besucher frei gegeben ist, wird den großen Schilfbestand braun-gelb und abgestorben vorfinden. Erst im späten Frühling treiben junge grüne Spitzen aus dem Boden und eröffnen die neue Saison. Und dann wird mächtig losgelegt: das Schilf bildet Blätter, die 1 m lang werden. Die unterirdischen Ausläufer, Rhizome genannt, wachsen bis zu 3 cm am Tag in der Hauptwachstumsphase. Sie erreichen 10 bis 20 m Länge. Die Schilfpflanzen halten zusammen! Es gibt Nachweise, dass sich große Bestände aus einer einzigen Pflanze durch Ausläufer entwickelt haben. Diese Klone sollen im Donaudelta Bestände bilden, die 8.000 Jahre alt sind. Wie alt mögen unsere an der Elbe sein?

Häufig wird ein Schilfbestand als natürliche Monokultur bezeichnet. Wer unsere Röhrichtgürtel an der Elbe kennt, weiß, dass durchaus auch andere Pflanzen wie Sumpfdotterblume oder Zaunwinde im Schilf vorkommen. Diese Begleitarten finden dort Platz, wo das Schilf lichter steht und auch andere Pflanzen Sonnenlicht erhalten.

In unserer Region wachsen weitere, ähnliche Röhrichtpflanzen wie das Rohrglanzgras und der Große Schwaden. Das Schilfrohr ist von diesen dadurch zu unterscheiden, dass es einen Haarkranz an der Stelle hat, an der das Blatt an den Stängel ansetzt.

Der Grund, warum Schilfbestände gesetzlich geschützt sind, liegt in ihrer Bedeutung als Lebensraum vor allem für Vogelarten. Viele von ihnen zeigen die enge Anbindung schon im Namen wie Schilfrohrsänger, Rohrdommel, Rohrweihe und Rohrammer. Aber auch das Blaukehlchen braucht Schilfbestände. Alle genannten Vogelarten kommen auch an der Elbe vor. Die hohlen Schilfstängel bieten auch Insekten eine geschützte Behausung.                                                    

Unverwüstlich ist das Schilf jedoch nicht. Vor einigen Jahren wurde viel über das „Schilfsterben“ berichtet. Phragmites ist sehr empfindlich gegenüber hartem Wellenschlag, der von Booten ausgelöst wird. An vielen Gewässern in Deutschland starben dadurch Schilfbestände großflächig ab. Auch an Seen versucht man weiterhin, die Ursachen herauszufinden und einzudämmen.

Im Außengelände des Elbmarschenhauses legen wir gerade eine Schilffläche an, damit man sich einmal wie ein Schilfbrüter fühlen kann, der sicher im rauschenden und raunenden Schilf sitzt. Dazu haben wir Schilf-Ausläufer aus einer Gewässerunterhaltung eingebracht und werden zusätzlich noch Schilf pflanzen. In 2 Jahren, so hoffen wir, haben wir dann einen Bestand, der gut zusammenhält! Ob er 8.000 Jahre alt wird, werden wir aber leider nicht erfahren.