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Unauffällige UV-Licht-Attraktion am Wegesrand – die Knotige Braunwurz ist die Pflanze der Region im Juni 2024

Ihr Name trägt nicht gerade zu ihrer Attraktivität bei oder würden Sie eine eher unscheinbare Wild-Pflanze namens Knotige Braunwurz nicht als „Unkraut“ sondern als willkommenen Gast, sozusagen als Must-have für Ihren Garten ansehen?

Nein? Dann sollten Sie das jetzt ändern! Denn fragen Sie mal Bienen und Wespen! Da ist das Gewächs DIE Attraktion schlechthin, um deren Blüten sich auch öfter Streit entwickelt. Man muss ja sagen: aus menschlicher Sicht ist dieses Gehabe erstmal gar nicht nachvollziehbar, ja, sogar unverständlich. Tagelang – nein wochenlang – können bei flüchtiger Betrachtung der Knotigen Braunwurz keine Blüten entdeckt werden. Erst reges Flug-Gerangel an der Pflanze zeigt, dass sich die vielen grünlich-bräunlichen Blütenknospen geöffnet haben. Die unspektakulären kleinen Blüten sind kaum zu bemerken.

Bei genauer Betrachtung kann man sich allerdings an wunderbarer Schönheit erfreuen: von außen unscheinbar grün bis welkig-braun zeigt sich im Inneren der Blüte eine Vertiefung in dunklem purpur-violett, aus dem 4 nacheinander reifende weiß-gelbe Staubbeutel entgegen leuchten. Dafür muss man sich nicht mal tief bücken, denn die auf mäßig nährstoffreichen, feuchten Standorten im Schatten bis Halbschatten wachsende Staude wächst immerhin 50 bis sogar 100 cm hoch.

Der vierkantige Stängel tragt gegenständige, spitz zulaufende Blätter. Die Pflanze gehört zur Familie der Braunwurzgewächse. Sie liebt Standorte an Waldrändern, an feuchten Gewässerufern und auch schattige Bereiche in naturnahen Gärten.

Die wirkliche Attraktion für Hautflügler besteht allerdings in der Eigenschaft ihrer Blüten, insbesondere ultraviolettes Licht stark zu reflektieren. Insekten, die auf UV-Licht „fliegen“ bietet die mehrjährige, zwischen Juni und September blühende Knotige Braunwurz (Scrophularia nodosa) somit ein attraktives Licht-Spektakel.

Die Blüten bieten frei zugänglichen Nektar und locken so ziemlich alles an, was Flügel hat. Dies sind neben Schwebfliegen, Hummeln und anderen Wildbienen insbesondere Faltenwespen, vor allem die Braunwurz-Blattwespe. Auch Schmetterlinge gehören zu den Kostgängern, die sich am Nektar der Knotigen Braunwurz laben. Von den Blättern leben Raupen von 13 verschiedenen Schmetterlingsarten. So wird die Pflanze in manchen Jahren vollständig heruntergefressen, kommt aber im darauffolgenden Jahr wieder. Meistens!

Die bayrische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft bescheinigt der in Deutschland und Schleswig-Holstein weit verbreiteten Braunwurz sogar eine große Bedeutung für ein ganzes Biodiversitäts-Netzwerk verschiedener Arten.

Als wäre dies nicht schon Adelung genug, kann die Knotige Braunwurz sogar als alte Heilpflanze aufwarten. Ihre wissenschaftliche Bezeichnung Scrophularia nodosa geht auf eine Skrofulose genannte Erkrankung zurück: eine früher regelmäßig in Heilkunde-Büchern erwähnte, veraltete Bezeichnung für eine generelle Neigung zu Haut- und Schleimhauterkrankungen. Heute wird die Knotige Braunwurz daher vor allem in der naturheilkundlichen Praxis und homöopathisch angewendet gegen wiederkehrende grippale Infekte/Erkältungen, bei Ekzemen sowie entzündeten, verhärteten und geschwollenen Lymphknoten. Der für die Knotige Braunwurz im Mittelalter verwendete, heute nicht mehr geläufige Name Scrophularie deutet auf diese Anwendungen hin: Scrophula bezeichnet ein Halsdrüsengeschwulst, das mitunter an die Rachen-Form eines Schweins erinnern kann, Scropha bedeutet Mutter-Schwein.

Wenn Sie nun diesen unscheinbaren Tausendsassa in Ihrem Garten entdecken, da er sich heimlich von selber eingeschlichen hat, lassen sie ihn stehen. Schon bald werden sie die geflügelten Freunde der Knotigen Braunwurz näher kennen lernen!

 

Marion Thishen-Hendess i.A. des LfU und Edelgard Heim

 

Zum Hintergrund: Die Integrierte Station Unterelbe (ISU) in Haseldorf, auch „Elbmarschenhaus“ genannt, wurde 2006 eröffnet. Der Geist des Hauses besteht in der Zusammenarbeit von Naturschutz, Tourismus und Landnutzung. Im Haus vertreten sind das Land Schleswig-Holstein, der NABU Schleswig-Holstein e.V., Tourismus-Vereine sowie die örtliche Jägerschaft. Die Integrierte Station Unterelbe kümmert sich in Zusammenarbeit mit den Kreisen um diverse (Natur-)Schutzgebiete entlang der Elbe in Schleswig-Holstein bis Neufeld. Über die naturräumlichen Besonderheiten und historische Nutzungsformen an der Unterelbe informiert eine Ausstellung im Elbmarschenhaus. Das Elbmarschenhaus erfährt Unterstützung durch die Region – unter anderem, da die charakteristische Natur- und Kulturausstattung Grundlage einer schonenden touristischen Nutzung und Stärkung der regionalen Wirtschaft ist.

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.elbmarschenhaus.de

Verantwortlich für diesen Pressetext:

Edelgard Heim, Landesamt für Umwelt des Landes Schleswig-Holstein (LfU), Integrierte Station Unterelbe im Elbmarschenhaus, Hauptstr. 26, 25489 Haseldorf; Tel. 0 41 29 / 95 54 912; Email: edelgard.heim@lfu.landsh.de; Internet: www.elbmarschenhaus.de

Die Knotige Braunwurz (Foto: M. Thishen-Hendess)