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Pflanze der Region
im Juni 2019

Wilder geht´s nicht –
Daucus carota ist die Pflanze der Region im Juni 2019

Die beiden Männer am Nachbartisch sind, außer mir, die einzigen Gäste im Café. Beide sind Mitte 60, sportlich gekleidet und haben sich ein ausgiebiges Frühstück bestellt. „Weißt du noch?“ zwinkert der eine dem anderen zu, „die Wilde Hilde?“. Der zweite Mann lacht, dann grinsen beide verschmitzt.

Die Wilde Hilde kenne ich nicht, aber die Wilde Möhre (Daucus carota) gehört zu meinen Lieb- lingspflanzen. Auf den ersten Blick ist die Pflanze nur eine von einer Vielzahl ähnlich aussehender weiß blühender Doldenblütler.


Mit fein ziselierten Blättchen startet die Wilde Möhre im Frühling in eine neue Vegetationsperiode. Sie wächst gerne in nicht zu nährstoffreichen Säumen, z.B. entlang von Wegen. Ihre Blätter rie- chen tatsächlich nach Möhren, denn sie ist eine der Wildformen unserer Karotte. Die Blätter wer- den im ersten Jahr gebildet, der Blütenstand erscheint dann im zweiten Jahr. Von der Kultur-Möhre unterscheidet sich die Wilde Möhre durch eine kleinere und weiße Wurzel. Diese ist ebenfalls ess- bar, aber nur im ersten Jahr eines Möhrenlebens.

Die wilde Möhre blüht von Mai bis August. Sehr viele kleine Blüten bilden den Blütenstand. Beson- ders faszinierend ist die Wandlung dieses Blütenstandes im Laufe der Zeit. Zuerst sieht er wie ein kleines Nest aus, dann öffnet er sich und wird flach, um sich anschließend in der Mitte nach oben zu wölben. Hat man einen größeren Bestand der Wilden Möhre vor sich, schäumt die Fläche regel- recht auf! Und in der Mitte des Blütenstandes steht eine einzelne, beinahe schwarze Blüte. Diese sieht sogar für Insekten wie ein Artgenosse aus und soll Bestäuber anlocken, indem sie vermittelt, dass es hier Leckeres zu naschen gibt. Diese Blüte wird auch „Scheininsekt“ genannt.

Sind die Blüten abgeblüht, wölbt sich der Blütenstand, jetzt mit Früchten, wie ein Korb oder Nest zusammen.

Die Wilde Möhre ist eine wichtige Nahrungspflanze für Insekten wie Fliegen, Wespen, Käfer und Wildbienen. Die Pflanzenart ist weit verbreitet. In unserer Region gibt es unter anderem Vorkom- men in der Liether Kalkgrube. Erhöhte Nährstoffeinträge führen jedoch zum Rückgang der Wilden Möhre, da sie von konkurrenzstärkeren Arten wie z.B. der Brennnessel überwuchert wird.

Mein Kaffee ist kalt, die beiden Männer am Nachbartisch verschwunden. Die Geschichte der Wil- den Hilde wäre sicher auch interessant gewesen. Vielleicht beim nächsten Mal?