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Das Auf und Ab unserer Marschen-Diva.
Die Schachblume (Frittilaria meleagris) ist die Pflanze der Region im April 2020

Pflanze der Region im April - Schachblume
Foto: Blühende Schachblumen, Wiese Hetlingen, LLUR

 

„Geschlossen“, „verschoben“, „abgesagt“ sind die Wörter, die man am häufigsten hört, wenn es um Veranstaltungen in der Corona-Zeit geht.

 

So mussten wir auch unser jährliches Schachblumenfest in Hetlingen absagen. Das ist sehr schade, auch weil es sich nicht verschieben lässt. Die Schachblume blüht, wenn es soweit ist. Und das ist im April. Unsere Probleme sind ihr egal. Sie stört kein Virus und kein Husten.

Aber auch die Schachblume hat ihre Zipperlein.

Unsere wunderschöne Marschen-Diva mit dem sensiblen Charakter zeigt uns nicht jedes Jahr ihre ganze Pracht. Die einzelnen Pflanzen bilden nicht jedes Jahr Blüten aus und bisher weiß niemand genau, warum das so ist.

Die Grafik zeigt es deutlich: die Anzahl der Blüten pro m² auf den Hetlinger Wiesen, genauestens gezählt von Jochen, unserem Schachblumen-Flüsterer, schwankt erheblich von Jahr zu Jahr und erreicht Werte zwischen ca. 1 und 3 Blüten pro m². Die Kommazahlen bei der Anzahl der Blüten erklären sich dadurch, dass die Zahl der Blüten von der 56 m² großen Probefläche auf 1 m² heruntergerechnet wird.

 

Wovon hängt dieses exaltierte Blühverhalten ab? Entscheidend sind natürlich die Bewirtschaftungsverhältnisse wie Bodenbearbeitung, Düngung, Art und Anzahl der Weidetiere bzw. der Mahdzeitpunkt. Übrigens fördert die hohe Menge der Nonnengänse die Schachblume, denn die Gänse wissen genau, dass die Schachblume giftig ist und fressen lieber das Gras drumherum. Dadurch erhält unsere Schachblume sogar noch einen Vorteil, weil die konkurrenzstarken Gräser geschwächt werden.

Die Hetlinger Wiesen werden extensiv bewirtschaftet. Anderenfalls wären die Schachblumen schon lange verschwunden. Hier scheinen andere Faktoren für das Auf und Ab eine Rolle zu spielen. Die Witterung mit Temperaturschwankungen, Niederschlägen und Sonnenscheindauer ist eine entscheidende Größe. Es sieht so aus, als wäre das Klimageschehen des Vorjahres, also dann, wenn Nährstoffe in der Zwiebel gespeichert werden, sehr wichtig. Je besser es den Pflanzen im letzten Jahr ging, umso eher wird im folgenden Jahr geblüht.

Zumindest diesem Geheimnis unserer Marschen-Diva wollen wir ein Stück weit auf die Spur kommen. Noch dieses Jahr startet eine Studentin der Uni Kiel ihre Bachelorarbeit, die zum Ziel hat, das Blühverhalten der Schachblume mit Klimadaten abzugleichen. Sollte es sogar Hinweise auf einen früheren Blühzeitpunkt durch den Klimawandel geben?

Ich hoffe sehr, dass ich Ihnen darüber im April 2021 berichten kann. Denn die Pflanze der Region im April ist immer die Schachblume. Dann blüht sie nun einmal. Und im nächsten Jahr werden wir auch hoffentlich wieder sagen: „Natürlich findet das Schachblumenfest statt!“