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Pflanze der Region
im April 2019

Schwerter zu Kerzenständern – die Schachbrettblume ist die Pflanze der Region im April 2019

„Schwerter zu Pflugscharen“ war in den 1980er Jahren die Parole der Friedensbewegung in der DDR. Damit wurde das Ziel des Völkerfriedens durch weltweite Abrüstung und Rüstungskonversion ausgedrückt. Unsere Pflanze des Monats hat diesen Slogan für sich abgewandelt und kommt von den Schwertern zu Kerzenständern. Hier lesen Sie wie.

Wie jedes Jahr ist die Schachblume auch 2019 im April die Pflanze der Region. Dies ist dem Blühschwerpunkt der Schachblume, die wissenschaftlich korrekt Fritillaria meleagris heißt, Ende April/Anfang Mai geschuldet. Wir feiern dies jedes Jahr mit einem Fest an den blühenden Wiesen in der Hetlinger Marsch.

Es ist aber auch nicht schwer, immer etwas Neues über unsere Marschen-Diva zu berichten. Wussten Sie schon, dass eine einzelne Schachblumen-Pflanze in ihrer Entwicklung mehrere Stadien durchläuft bis sie blüht? Es geht los, wenn der dünne, fädige Sämling sich aus dem Samenkorn der Sonne entgegen streckt und wegen seiner lustigen Kopfbedeckung als „ZipfelmützenStadium“ bezeichnet wird. Gefolgt vom „Schwert-Stadium“, das seinen Namen von der Schwertform der Blätter hat, erreicht er schließlich das „Kerzenständer-Stadium“. Jetzt ist die Pflanze schon viel kräftiger. Das letzte Stadium ist dann die blühende Pflanze.

Die Schachblume ist ein sehr kapriziöses Gewächs aus der Familie der Liliengewächse. Niemand weiß, warum sie nicht jedes Jahr blüht, sondern Jahre auslässt, in denen die Pflanze ganz bescheiden nur grasähnliche Blätter produziert und niemand weiß, wieso manche Blüten weiß, andere pinkfarben sind. 

Die Entwicklung dauert in der Regel 4 Jahre, es können auch leicht 6 Jahre werden.

Wer genauer hinsieht, kann beim Schachblumenfest am Sonntag, den 28.04.2019 von 10.00 bis 16.00 Uhr auf den Wiesen vor dem im Hetlinger Sommerdeichauch andere Entwicklungsstadien der Schachblume finden. Aber natürlich ist das blühende Stadium das allerschönste, auch wenn es keine Mütze trägt!

Die bis zu 4 m hohe Schilfpflanze gehört zu den Süßgräsern und ist eine häufige Uferpflanze der Elbe. Sie vermeidet die Zone mit starkem Wellenschlag, denn dort würde sie abknicken und zugrunde gehen. Die „Kampfzone“ mit hoher Dynamik überlässt sie verschiedenen Binsen- und Simsenarten. 

Wer jetzt an den Strand in Hetlingen geht, der für Besucher frei gegeben ist, wird den großen Schilfbestand braun-gelb und abgestorben vorfinden. Erst im späten Frühling treiben junge grüne Spitzen aus dem Boden und eröffnen die neue Saison. Und dann wird mächtig losgelegt: das Schilf bildet Blätter, die 1 m lang werden. Die unterirdischen Ausläufer, Rhizome genannt, wachsen bis zu 3 cm am Tag in der Hauptwachstumsphase. Sie erreichen 10 bis 20 m Länge. Die Schilfpflanzen halten zusammen! Es gibt Nachweise, dass sich große Bestände aus einer einzigen Pflanze durch Ausläufer entwickelt haben. Diese Klone sollen im Donaudelta Bestände bilden, die 8.000 Jahre alt sind. Wie alt mögen unsere an der Elbe sein?

Häufig wird ein Schilfbestand als natürliche Monokultur bezeichnet. Wer unsere Röhrichtgürtel an der Elbe kennt, weiß, dass durchaus auch andere Pflanzen wie Sumpfdotterblume oder Zaunwinde im Schilf vorkommen. Diese Begleitarten finden dort Platz, wo das Schilf lichter steht und auch andere Pflanzen Sonnenlicht erhalten.

In unserer Region wachsen weitere, ähnliche Röhrichtpflanzen wie das Rohrglanzgras und der Große Schwaden. Das Schilfrohr ist von diesen dadurch zu unterscheiden, dass es einen Haarkranz an der Stelle hat, an der das Blatt an den Stängel ansetzt.

Der Grund, warum Schilfbestände gesetzlich geschützt sind, liegt in ihrer Bedeutung als Lebensraum vor allem für Vogelarten. Viele von ihnen zeigen die enge Anbindung schon im Namen wie Schilfrohrsänger, Rohrdommel, Rohrweihe und Rohrammer. Aber auch das Blaukehlchen braucht Schilfbestände. Alle genannten Vogelarten kommen auch an der Elbe vor. Die hohlen Schilfstängel bieten auch Insekten eine geschützte Behausung.                                                    

Unverwüstlich ist das Schilf jedoch nicht. Vor einigen Jahren wurde viel über das „Schilfsterben“ berichtet. Phragmites ist sehr empfindlich gegenüber hartem Wellenschlag, der von Booten ausgelöst wird. An vielen Gewässern in Deutschland starben dadurch Schilfbestände großflächig ab. Auch an Seen versucht man weiterhin, die Ursachen herauszufinden und einzudämmen.

Im Außengelände des Elbmarschenhauses legen wir gerade eine Schilffläche an, damit man sich einmal wie ein Schilfbrüter fühlen kann, der sicher im rauschenden und raunenden Schilf sitzt. Dazu haben wir Schilf-Ausläufer aus einer Gewässerunterhaltung eingebracht und werden zusätzlich noch Schilf pflanzen. In 2 Jahren, so hoffen wir, haben wir dann einen Bestand, der gut zusammenhält! Ob er 8.000 Jahre alt wird, werden wir aber leider nicht erfahren.