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Grundstoff zum Goldmachen für Alchimisten – Das Schöllkraut ist die Pflanze der Region im Mai 2021

Ab Mai blüht eine Pflanze mit mystischem Hintergrund und einer langen Vergangenheit als Zauberpflanze. Hellgelbe Blüten und mittelgrüne Laubblätter bilden einen schönen Kontrast. Verletzt man ein Blatt, zeigt sich, dass das Schöllkraut (Chelidonium majus) zur Familie der Mohngewächse gehört. Sofort tritt gelb-oranger Milchsaft aus der Wunde aus.

 

Der Name Chelidonium leitet sich aus dem griechischen Wort für „Schwalbe“ ab und bezieht sich darauf, dass das Schöllkraut beim Eintreffen der Schwalben zu blühen beginnt und beim Wegflug der Schwalben verwelkt. Die Blütezeit reicht demnach von Mai bis Oktober.

 

Schon in der Antike war das Schöllkraut als Arznei bekannt. Man schrieb dem Saft, der sehr unangenehm schmeckt, Hilfe gegen Erblindung zu und meinte sogar, dass Schwalben ihre Jungen bei Erblindung damit heilen würden.

 

Im Mittelalter glaubte man, dass Menschen, die Schöllkraut und zugleich das Herz eines Maulwurfes bei sich tragen, übermenschliche Stärke haben und alle Feinde besiegen würden. Wie vielen Maulwürfen dieser Glaube das Leben gekostet hat, ist nicht überliefert.

 

Genauso wie die golden schimmernden Augen der Erdkröten, wurde auch der dunkelgelbe Milchsaft des Schöllkrauts von den Alchemisten als Grundstoff zum Goldmachen verwendet. Darauf beruht der Name „Goldwurz“ für unsere Pflanze der Region. Man vermutete, dass in dem Saft alle vier Elemente enthalten seien und daher der Stein der Weisen dort zu finden sei. Funktioniert hat das alles bekanntlich nicht.

 

Vor Jahrhunderten wählte man Heilmittel nicht nach ihren Wirkungen aus, sondern nach Aussehen und geheimnisvollen Zauberwirkungen. Das Erscheinungsbild diente dabei als Orientierung. Der gelbe Milchsaft des Schöllkrauts war prädestiniert für Leber- und Gallenleiden, die sich in einer gelblichen Verfärbung der Haut und der Augen zeigen können. Sogar im vorigen Jahrhundert wurde Gelbsuchtkranken noch empfohlen, Schöllkraut in einem Eierkuchen zu essen, um die Wirkung des gelben Milchsaftes durch Eigelb noch zu verstärken.

 

Heutzutage wird der leicht giftige Milchsaft zur Behandlung gegen Warzen und gegen Magen-Darm-Erkrankungen verwandt, kann aber auch zu schweren Magen-Darm-Beschwerden führen. Ein sehr bekanntes Magen-Darm-Mittel enthält Extrakte des Schöllkrauts und wird daher immer mal wieder skeptisch beurteilt. 2018 gab es einen Todesfall im Zusammenhang mit diesem Medikament. Untersuchungen gehen davon aus, dass es sich um eine seltene individuelle Unverträglichkeit handelte.

 

Das Schöllkraut ist weit verbreitet und ungefährdet. Es hat vier hellgelbe Blütenblätter und bevorzugt nährstoffreichere Standorte wie Wegränder, Brachflächen und auch in Gärten. Die Pflanze ist zwei- bis mehrjährig und sommergrün. Das heißt, dass sie im Winter nicht zu sehen ist. Im Garten siedelt sich Chelidonium mitunter von selbst sehr reichlich an und überrascht jedes Jahr mit neuen Standorten.

 

Edelgard Heim