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Vogel der Region

Hier wird jeden Monat ein typischer Vogel der Region vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Vogelart, die für die Gegend typisch ist und in den jeweiligen Monaten in der Haseldorfer und Wedeler Marsch vorkommt und gut zu beobachten ist. Es müssen nicht immer bedrohte Vogelarten sein, die auf der Roten Liste stehen.


Vogel der Region im September 2019:

Die Schwanzmeise – schlechter Flieger, guter Turner

Der neun Zentimeter lange Schwanz dient als Balancierhilfe, wenn dieser kleine lebhafte schwarz-weiße Federball geschickt im Geäst herumturnt. Sie ist ständig in Bewegung und nie lange an einem Ort.

Die Schwanzmeise wird zwar, wie die Beutelmeise und Bartmeise als Meise bezeichnet, zoologisch betrachtet ist sie das aber nicht. Sie gehören jeweils zu einer eigenen Familie.

Die Schwanzmeise (Aegithalus caudatus) hat einen unverwechselbaren Körperbau. Von den bis zu 14cm Körperlänge entfällt allein bis zu neun Zentimeter auf den schmalen, dunklen Schwanz mit weißen Seiten. Ihren Namen verdankt die Schwanzmeise dem langen Schwanz, der ihr ein präzises Ausbalancieren beim Hangeln auf den äußeren Enden feiner Zweige ermöglicht, auf denen sie vorrangig ihre Nahrung sucht. Kaum ein heimischer Vogel hat so viele volkstümliche Namen wie die Schwanzmeise, wobei der Name „Pfannenstielchen“ einer der schönsten und treffendsten ist. Auf Plattdeutsch heißt sie deswegen auch „Pannensteel“.

Kopf und Rumpf sind winzig und erscheinen wie eine Einheit, die im Winter, wenn die Meise ihr Gefieder aufplustert, nahezu Kugelform annimmt. Flügel und Rücken sind braun und weiß gefärbt, die Schultern und Flanken zeigen eine rötlichbraune Färbung und die Unterseite ganz weiß mit leichter rosa Tönung. Der Kopf ist weiß mit schwarzem Überaugenstreif und einem gelben Augenlid, bei der in Nordeuropa vorkommenden Unterart Aegithalus caudatus caudatus auch ganz weiß, der sich scharf gegen den schwarzen Vorderrücken abgrenzt. Bei uns lebt die Unterart Aegithalus cudatus europeus, die auch als streifenköpfige Form bezeichnet wird, weil der weiße Kopf durch dunkle Scheitelseitenstreifen begrenzt wird. Die Augen und der kurze Schnabel sind schwarz. Beide Geschlechter haben gleiches Aussehen. Bei den jungen Schwanzmeisen, wenn sie ihr Nest verlassen haben, ist das Augenlid noch nicht gelb. Das Gefieder am Kopf (Überaugenstriche) und auf dem Rücken ist bräunlich und nicht schwarz wie bei den Altvögeln.

Die Schwanzmeise sieht man in ganz Europa außer auf Island. Sie ist ein Standvogel bzw. Strichvogel. Sie kommt meist ganzjährig im Brutlebensraum vor und unternimmt außerhalb der Brutzeit auch „Ausflüge“ in geselligen Trupps in den Siedlungsbereich und zeigen vor uns Menschen überhaupt keine Scheu. Oftmals können Trupps mit bis zu acht oder mehr Individuen an den Futterstellen beobachtet werden. Sie bevorzugen Weichfutter, vor allem Fettfutter, Haferflocken und nutzen dabei am liebsten Meisenknödel – gern auch kopfüber…..

Auf der Suche nach Nahrung turnt die Schwanzmeise lebhaft und hängend im Gebüsch und auf Baumspitzen herum. Der Flug ist eher ungeschickt. Eine Flatterphase wechselt mit einer Gleitphase ab, wobei der lange Schwanz mitwippt, so dass eine wellenförmige Flugbahn entsteht.

Schwanzmeisen leben in strukturreichen und feuchten Laub- und Mischwäldern, auch in großen Gärten, Obstbaugebieten, Parks und Friedhöfen mit dichtem Unterholz.

Der Schwanzmeise wird nachgesagt, dass sie eines der weichsten Nester in der gesamten Vogelwelt baut. Das kunstvoll gebaute eiförmige Nest der Schwanzmeise mit seitlichem Eingang ist ein Prachtbau, der teils in einer Astgabel, teils aber auch frei hängend an einer Astspitze, oft in Koniferen oder dichten Büschen, angebracht wird. Es besteht aus Flechten, Tierhaaren, Gras und Moos, welche allesamt sehr fein verflochten werden. Innen wird das Nest mit einer großen Zahl kleiner Federn ausgepolstert, welche die Wärme sehr gut speichern können. Das Nest ist bestens getarnt und kann oftmals nur durch einen anfliegenden Altvogel entdeckt werden. Das Weibchen brütet alleine, dabei kann der lange Schwanz entweder aus dem kleinen Nest ragen oder er wird innerhalb des Nestes geknickt. Das Männchen versorgt das Weibchen während der Brutzeit. Nach dem Verlassen des Nestes bleiben die Familien oft zusammen. Die Jungtiere schlafen gemeinsam, dicht aneinandergedrängt, auf einem Zweig. Besonders interessant ist, dass bei der Schwanzmeise „Helfer“ auftreten, die bei der Versorgung der Jungvögel die Adulten unterstützen. Es ist unklar, um welche Vögel es sich bei den Helfern handelt – es könnten ggf. Altvögel sein, welche ihre Brut verloren haben, oder auch Jungvögel des letzten Jahres. Sicherlich ermöglicht diese Versorgungsstrategie den Schwanzmeisen eine erfolgreiche Brut bzw. ein Ausfliegen zahlreicher Jungvögel.

Die bevorzugte Nahrung der Schwanzmeise sind Blattläuse, Raupen, Mücken und Spinnen, die sie meist in Gebüschen fängt. Damit ist sie ein hervorragender Schädlingsvernichter in heimischen Gärten. Auch kleine Knospen an den äußersten Zweigspitzen werden gerne verspeist. Viele Schwanzmeisen sterben im Alter bis zu einem Jahr, durch ihre Fressfeinde. Im Herbst und Winter, wenn die Schwanzmeisen in kleinen Gruppen umherziehen, hört man sie schon von weitem an ihrem Ruf. Sie zwitschern, schwätzen und zirpen leise, aber in den höchsten Tönen. Nur wer gute Ohren hat, kann die hohen Frequenzen wahrnehmen.

Als Feind ist hauptsächlich der Mensch zu nennen, vor allem der Ausbau unserer Flüsse und das Roden der bei Schwanzmeisen beliebten Weidenbüsche wirkt sich negativ aus.

Große Verluste erleiden sie in strengen Wintern. Sie brauchen artenreiche Wälder mit vielen Büschen, in reinen Fichtenforsten können sie nicht überleben. Mit dem Erhalt von Obstgärten mit altem Baumbestand und der Pflanzung vieler heimischer Sträucher hilft man ihr am meisten. Schwanzmeisen profitieren nicht nur von Winterfütterungen, sondern auch von Ganzjahres-Fütterungen und man sollte ihnen immer auch Wasserschalen zum Baden und Trinken anbieten. Es lohnt sich, denn diese flinken und hastigen „Pfannenstielchen“ geben uns die Möglichkeit, sie auch im eigenen Garten hautnah zu beobachten.