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Der Weißstorch – Weltenbummler und kühner Segelflieger

 

Foto: Patricia Dietz

Hier wird jeden Monat ein typischer Vogel der Region vorgestellt.
Dabei handelt es sich um eine Vogelart, die für die Gegend typisch ist und in den jeweiligen Monaten in der Haseldorfer und Wedeler Marsch vorkommt und gut zu beobachten ist.
Es müssen nicht immer bedrohte Vogelarten sein, die auf der Roten Liste stehen.

Vogel der Region im August 2017: Der Weißstorch – Weltenbummler und kühner Segelflieger

Der Weißstorch, auch als Klapperstorch „Adebar“(Ciconia ciconia), als Überbringer des Nachwuchses, als Frühjahrsbote und Glücksbringer bekannt,
ist ein Kulturfolger und brütet auf Dächern und Schornsteinen in unmittelbarer Nähe des Menschen.
Ursprünglich brüteten Weißstörche vor allem auf alten Bäumen und Felsen.

Nach europäischen Sagen überbringt der Storch die Säuglinge. Mit seinem Märchen „Die Störche“ machte Hans Christian Andersen diese Idee sehr populär.
Nach deutscher Folklore überbringen Störche Babys, die sie in Höhlen oder Sümpfen gefunden haben, in einem Korb an die Mütter oder lassen sie durch einen Schornstein fallen.
Süßigkeiten auf dem Fensterbrett für die Störche sollten dabei helfen, den Kinderwunsch zu erfüllen.
Diese Folklore hat sich weltweit, auch bis nach Südamerika und zu den Philippinen, verbreitet.
Im Baltikum deutet man den Überflug eines Storches direkt über den Kopf einer jungen Frau als Hinweis auf eine Schwangerschaft.

Weißstörche sind auf offene Landschaften, im allgemeinen Feuchtwiesen, Flussniederungen mit zeitweisen Überschwemmungen,
extensiv genutzte Wiesen und Weiden oder Auengebiete, Lebensräume mit großer Artenvielfalt als notwendige Nahrungsgrundlage angewiesen.
Diese Lebensräume sind in Europa Mangelware geworden. Sie werden größtenteils durch Trockenlegung zerstört
oder sie verbuschen dort, wo sie vom Menschen nicht genutzt werden. Vor allem die veränderte Landnutzung ist es, die den Weißstorch in Europa bedroht.
In den EU-Staaten bedeutet die stattfindende Intensivierung der Landwirtschaft eine große Gefahr für die Störche.
In der Europäischen Vogelschutzrichtlinie ist der Weißstorch in Anhang I aufgeführt. Dort finden sich die besonders gefährdeten und schutz-würdigen Arten.
Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, die zur Erhaltung dieser Arten „zahlen- und flächenmäßig geeignetsten Gebiete“ zu Schutzgebieten zu erklären.
Zukünftig kann die Erhaltung des Weißstorchs und seiner Lebensräume jedoch nur durch eine Änderung der Landwirtschaftspolitik erreicht werden.

In Mitteleuropa war der Weißstorch ursprünglich weit verbreitet. Heute gibt es hier große Verbreitungslücken.
Im westlichen Verbreitungsgebiet gingen die Bestände aufgrund der Zerstörung seiner Nahrungsgebiete stark zurück.
Ein Hauptverbrei-tungsschwerpunkt des Weißstorchs liegt derzeit in Polen. Etwa 40 Prozent des Weltbestandes finden sich in den neuen EU-Mitgliedsstaaten im Osten Europas.
Um die Weißstorchbestände weltweit im Blick zu behalten, koordiniert das Michael-Otto-Institut im NABU Bergenhusen alle zehn Jahre eine Storchenzählung.
Vom Engagement des NABU für seinen Wappenvogel hat der Weißstorch in den vergangenen Jahren stark profitiert.
Trotzdem braucht Adebar weiterhin jede Hilfe.
Die Hilfe sollte aber nicht so weit gehen, dass die Störche zugefüttert werden und nicht mehr in ihre Überwinterungsgebiete fliegen wollen.

Während es in Schleswig-Holstein 1940 eine Maximalzahl von 2.140 Horstpaaren mit 5.216 flüggen ausgeflogenen Jungen gab,
reduzierte sich dies bis 2005 auf 170 Horstpaare mit 206 flüggen Jungen. In den letzten Jahren ist wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen.
In diesem Jahr gab es 279 Horstpaare mit 355 flüggen Jungen, im Kreis Pinneberg waren es 13 mit 19 flüggen Jungen.
Der Bruterfolg hängt von dem Nahrungsangebot und vom Wetter während der Brutzeit ab.
Bei viel Regen und durch Staunässe im Nest verklammen die Jungstörche und sterben.  

Im August macht sich Unruhe unter den Störchen breit: Die Jungstörche unter-nehmen immer weitere Ausflüge in die Umgebung des Nestes und sind bald verschwunden.
Kurze Zeit später haben sich Eltern und Jungvögel oft unabhängig voneinander auf den langen Weg nach Afrika begeben.

Die gewaltigen Entfernungen, die Störche auf ihrem Weg nach Afrika, z.T. bis nach Südafrika und wieder zurück nach Europa zurücklegen,
könnten sie niemals im aktiven und kräftezehrenden Ruderflug bewältigen. Ähnlich wie Segelflugzeuge nutzen sie daher warme Aufwinde,
die ihnen einen energiesparenden Segelflug erlauben. Solche Thermiken bilden sich in ausreichender Stärke nur über größeren Landflächen.
Sie entstehen, wenn die Sonne den Erdboden erwärmt und die Wärme an die bodennahe Luft abgibt. Die Folge ein leichter Aufwind, den die Störche nutzen,
um sich kräftesparend in die Höhe zu schrauben. Anschließend gleiten sie zum Fuß der nächsten Thermik, wo sie sich erneut in große Höhen tragen lassen.
Da dieser so wichtige Auftrieb über großen Wasserflächen nicht entstehen kann, folgen die Störche auf ihrem Flug nach Afrika einer Route,
die weitestgehend über Land verläuft. Bei den sogenannten Ostziehern bildet deshalb der Bosporus zwischen Europa und Asien ein Nadelöhr.
Die Westzieher nutzen die schmale Mittelmeerenge bei Gibraltar.

Bei dem Projekt „Störche auf Reisen“ hat der NABU Weißstörche besendert, um die Zugrouten der Vögel besser untersuchen zu können.
Die Solarsender werden wie Rucksäcke auf dem Rücken befestigt und behindern die Weißstörche nicht. Die Signale der Sender werden in einer Karte dargestellt
und in einem Tagebuch kommentiert. Verfolgen Sie die Reise dieser Störche – in den Süden und wieder zurück.
Verfolgen Sie das Leben der besenderten NABU-Störche Arthur, Gustav, Lilly, Michael, Robert und Ronja unter https://blogs.nabu.de/stoerche-auf-reisen/.

Die Jungstörche haben schon vor Tagen die Brutgebiete verlassen. Sie ziehen gut zwei Wochen vor ihren Eltern nach Süden, die meist noch bis Ende August bei uns bleiben.

Nun beginnt auch der Storchenzug für unsere Senderstörche. Als Erste ist Ronja am Donnerstag (10. August) gestartet.
Sie startet meist früher als andere Altstörche. Vermutlich hat sie einige Jungstörche im Schlepptau.
Zunächst einmal ist sie bis vor die Tore von Bremen geflogen, um dort auf den feuchten Wiesen im Blockland am Flüsschen Wümme einige Zeit zu rasten.
Am Montag (14. August) ist sie dann weiter nach Südwesten gezogen. Am Abend hatte sie Belgien erreicht und verbrachte die Nacht wenige Kilometer südlich von Genk.

 

Leitung des Hauses

Edelgard Heim

Telefon 04129. 955 49 12

Telefax 04129. 955 49 20

edelgard.heim1@llur.landsh.de

 


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"Haseldorfer Binnenelbe

mit Elbvorland"

Uwe Helbing

Tel. 04129-95549-11

Fax 04129-95549-20

helbing@elbmarschenhaus.de

 


 

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