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Vorsicht im Moor - der Beinbrech lauert auf Opfer!

Pflanze der Region im Juli 2018

 Foto: Drews, LLUR

 

Liebe Leserinnen und Leser, ich gestehe, dass ich Sie mit der reißerischen Überschrift zum Lesen dieses Berichtes verlocken wollte.
Denn der Beinbrech hat trotz seines Namens keinen Angriff im Sinn. Im Gegenteil würde die 10 bis 30 cm hohe Pflanze
durch einen menschlichen Tritt selber brechen und zerstört werden. 

Daher ist der Name „Moorlilie“ für das hübsche Liliengewächs zutreffender. Die lockeren Blütenstände tragen wunderschöne
gelb-grüne Blüten mit orangefarbenen Staubfäden. Diese leuchten weit über das Moor, insbesondere da die Moorlilie
gerne in Gruppen wächst. Narthecium ossifragum, so der wissenschaftliche Name der Moorlilie, wächst auf nassen Moorstandorten.
Da diese sehr selten geworden sind, ist auch die Moorlilie inzwischen gefährdet und steht auf der Roten Liste
des Landes Schleswig-Holstein (Gefährdungsstufe 3). 

Die Moorlilie kommt im Norden und im Westen Deutschlands vor. Sie blüht von Juli bis August.
Im Herbst zeigt sie wenig spektakuläre braune Samenstände. Könnte es sein, dass man im Herbst dann doch über
die Pflanze stolpern kann und sich die Moorlilie nach dem Verblühen in den gefährlichen Beinbrech verwandelt?
Quasi ein Dr. Jekyll und Mr. Hyde im Pflanzenreich? 

Nein, da kann ich Sie beruhigen, denn der Name Beinbrech beruht ausschließlich darauf, dass diePflanze
auf sauren und torfigen Böden wächst. Dort fehlt es an Kalk, der wichtigen Substanz zum Knochenaufbau.
Auf diesen Flächen brachen sich früher die Weidetiere gelegentlich die Beine, da sich ihre Knochen nicht gut ausbilden konnten.
Lange vor der Erfindung von ph-Messungen und Bodenuntersuchungen war die Moorlilie daher für die Landwirte
ein Anzeiger für eher schlechte Weideverhältnisse.

Ganz unschuldig ist die Moorlilie übrigens nicht. Zum einen ist das Liliengewächs giftig, zum anderen täuscht sie
durch Härchen auf den Staubfäden mehr Pollen vor als sie hat, um Insekten anzulocken. Dabei ist sie gar nicht auf die Bestäubung
durch Insekten anwiesen, sondern setzt da auf den Wind, der über die Moorflächen weht.

Die Moorlilie hat bei uns in der Region ein Vorkommen im Naturschutzgebiet Tävsmoor, das in den Gemeinden Heist und Appen liegt.
Wer das Tävsmoor kennenlernen möchte, kann das von Wanderwegen durch das Moor tun.
Vielleicht sehen Sie auch die ein oder andere blühende Moorlilie.

Passen Sie aber bitte im Moor vorsorglich darauf auf, dass der Beinbrech Ihnen kein Bein stellt!

 

 

 

Leitung des Hauses

Edelgard Heim

Telefon 04129. 955 49 12

edelgard.heim1@llur.landsh.de

 


Schutzgebietsbetreuung

Naturschutzgebiet

"Haseldorfer Binnenelbe

mit Elbvorland"

Uwe Helbing

Tel. 04129-95549-11

uwe.helbing@nabu-sh.de

 


 

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